Inhalt

Archivalie des Monats Juli 2022: Kreisverwaltung unter einem Dach - Bezug des neuen Verwaltungsgebäudes im Jahr 1962

60 Jahre ist es her, dass die Fallingbosteler Kreisverwaltung durch den modernen Anbau eines neuen Verwaltungsgebäudes endlich wieder alle ihre Dienstleistungen unter einem Dach anbieten konnte. Und das, obwohl sechs Jahre zuvor der Kreistag einen genau entgegengesetzten Beschluss gefasst hatte.

Angesichts des Raumbedarfs der Kreisverwaltung war Mitte der 1950er Jahre ein Anbau in Fallingbostel erwogen worden. Das kam für die Walsroder Politiker aber nicht in Frage. Statt dessen stellten sie im Frühjahr 1956 den Dringlichkeitsantrag, die Kreisverwaltung wegen der angeblich fehlenden „zentrale Lage Fallingbostel“ nach Walsrode zu verlegen. Die Walsroder wollten sogar einen Teil der durch die Verlegung auftretenden Kosten übernehmen.

In der von 250 Zuhörern besuchten vormittäglichen Kreistags­debatte im Juni 1956 kam es allerdings nicht zu der erwarteten Kampfabstimmung. Im Vorfeld hatten sich die streitenden Parteien auf einen Kompromiss geeinigt: Einen Neubau für die Kreisver­waltung sollte es vorerst weder in Fallingbostel noch in Walsrode geben. Um den Platzbedarf der Kreisverwaltung befriedigen zu können, wurde stattdessen der Polizei gekündigt, die 12 Büroräume in einem kreiseigenen Hause in Fallingbostel hatte. Außerdem sollten die Lichtverhältnisse im Dachgeschoß des alten Verwaltungs­gebäudes in der Vogteistraße 19 verbessert und die Garagen in Ordnung gebracht werden. Von Dauer konnte diese Lösung nicht sein. Die Verteilung der Kreisverwaltung auf mehrere Gebäude – auch die Gebäude in der Vogteistraße 3 und 3a wurden genutzt – erschwerte die Arbeit. Zudem wuchs die Verwaltung.

Bild vergrößern: Einstiger Blick vom Kirchplatz aus in die Vogteistraße: Links ragt noch das alte Sparkassengebäude ins Bild, dann schließt sich das Gebäude Vogteistraße 3 an (heute LSH-Versicherung), das die Kreisverwaltung genauso nutzte wie das Haus Vogteistraße 3a
Einstiger Blick vom Kirchplatz aus in die Vogteistraße: Links ragt noch das alte Sparkassengebäude ins Bild, dann schließt sich das Gebäude Vogteistraße 3 an (heute LSH-Versicherung), das die Kreisverwaltung genauso nutzte wie das Haus Vogteistraße 3a


So kann es nicht verwundern, dass sich der Beschluss des Jahres 1956 schneller als erwartet als unrealistisch erwies. Dann stellte sich auch noch im August 1960 heraus, dass das völlig veraltete Dampfheizungssystem der Kreisverwaltung vor dem Zusammenbruch stand und der Einbau einer Warmwasserdampfheizungsanlage mit Ölfeuerung nicht zu umgehen sein würde. In die alten, reparaturbedürftigen Gebäude aber hohe Summen zu investieren, verbot sich. Deshalb wurde vom Kreistag am 19. Dezember 1960 die Errichtung eines Neubaus auf dem Grundstück in der Vogteistraße 19 beschlossen. Im Mai 1962 konnte das neue dreigeschossige 530.000 DM teure Gebäude bezogen werden. Es war 12,4 m breit, 42,5 m Meter lang und umfasste 6.360 m3 umbauten Raum. 70 Büro- und zehn Aktenräume entstanden in dem Neubau, der mit dem alten Hauptgebäude durch einen Zwischenbau verbunden wurde. Die Kreisverwaltung konnte jetzt in einem Gebäudekomplex konzentriert und die vorher benutzten Verwaltungsgebäude in der Vogteistraße 3 und 3a verkauft werden.

Von der großen Freude über das neue Verwaltungsgebäude zeugt eine hektographierte Festschrift, die die Mitarbeiter der Kreisverwaltung, zum Teil in Anlehnung an bekannte Melodien, zur Einweihungsfeier am 25. Mai 1962 gedichtet und mit humorvollen Zeichnungen gestaltet hatten. Wie die Arbeit der am Bau beteiligten Firmen geschildert wird, sei als kleine Kostprobe ausdieser vergnüglichen Schrift mitgeteilt.

Bild vergrößern: Titelseite des Festschrift zur "Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes am 25. 5. 62"
Titelseite des Festschrift zur "Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes am 25. 5. 62"

Prosaischer liest sich der ausführlich auf zwei Seiten gebrachte Bericht der „Walsroder Zeitung“ am 25. Mai 1962 über die „Kreisverwaltung jetzt unter einem Dach“. Auf der zweiten Seite wurde ausführlich das neue Verwaltungsgebäude dargestellt.

„Bei der Besichtigung des neuen Verwaltungsgebäudes drängt sich einem der Eindruck auf, daß der Planer unter Verzicht auf unnötigen Aufwand alle Forderungen berücksichtigt hat, die heute an einen modernen Bürogroßbau gestellt werden. Es wurde an alles gedacht. Das Gebäude steht in Nord-Süd-Richtung. Dadurch werden die Räume sowohl von Osten als von Westen belichtet. Durch die Anlage einer langgezogenen Böschung an der Westseite des Gebäudes konnten die hier gelegenen Kellerräume zu vollwertigen Büroräumen ausgebaut werden. Sämtliche Büroräume sind 15 Quadratmeter groß, in hellen, warmen Farben gehalten und mit zwei großen Schwingflügelfenstern versehen, die für ausreichende Belichtung und Belüftung sorgen. Außerdem wird jedes Zimmer durch eine moderne Neonbeleuchtung über den Fenstern taghell ausgeleuchtet. In jedem Zimmer befindet sich ein Garderobenschrank, der auch ein Waschbecken mit fließend Wasser aufnimmt. Die Zimmerwände sind statisch unbelastet. Dadurch können die Räume, indem man eine oder mehrere Wände beseitig, miteinander verbunden beziehungsweise vergrößert werden.

Bild vergrößern: Zweite Seite des Berichts der "Walsroder Zeitung" vom 25. Mai 1962  zur Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes
Zweite Seite des Berichts der "Walsroder Zeitung" vom 25. Mai 1962 zur Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes

Die einzelnen Stockwerke sind über ein geräumiges Treppenhaus bequem zu erreichen. Das Treppenhaus ist in gelbbuntem Innenverblendstein ausgeführt. Das wirkt nicht nur sehr ansprechend, sondern erspart auch Malerarbeiten. Das schmiedeeiserne Geländer ist mit einem mipolamüberzogenen Handlauf versehen. Mit dem fugendicht verschweißten Mipolam sind auch sämtliche Flure ausgelegt, in den Büroräumen liegt Linoleum. In jedem Flur befindet sich zwei zentral gesteuerte Uhren. Dem Besucher steht im Treppenhaus, und zwar im ersten Obergeschoß, ein geräumiger Warteflur mit bequemen Sitzmöglichkeiten zur Verfügung. Es ist wirklich an alles gedacht, ob es sich um die schallschluckende Gummidichtung an jeder Verdingungstür, um die kleine Anrichte mit dem Kochendwassergerät in jeder Etage oder um den Wandhydranten mit 30 Meter Schlauch und dem Strahlrohr handelt, mit dem ebenfalls jede Etage ausgestattet ist. Das völlig ausgebaute Kellergeschoß nimmt außer den Büro- und Aktenräumen sowie der Heizung (…) auch die Kreis- und Stadtbücherei auf. Hier fällt die schmucke Einrichtung besonders angenehme auf. Das Rummelsburger Zimmer erhielt seinen Platz im ersten Obergeschoß, wo auch ein kleineres Konferenzzimmer geschaffen wurde. Sitzungssaal wird der große Raum im vorderen Gebäude, in dem bisher die Kreiskasse ihr Domizil hatte. Die Kreiskasse hat inzwischen ihre neuen Räume im Erdgeschoß des Neubaues bezogen, wo sie über einen separaten Zugang zu den Archivräumen im Keller verfügt.  

Bild vergrößern: Das 1962 eingeweihte neue Verwaltungsgebäude des Landkreises Fallingbostel
Das 1962 eingeweihte neue Verwaltungsgebäude des Landkreises Fallingbostel

Das neue Verwaltungsgebäude, dem besonders die Flachdachkonstruktion das Gesicht eines modernen Bürogebäudes verleiht, grenzt mit seiner Nordseite unmittelbar an den Park des Landratsamtes, wird also von den hohen, alten und schönen Bäumen sehr wirkungsvoll gerahmt. Typisch für das Äußere des Baues ist die symmetrische Anlage der Fenster. Sie resultiert aus dem zweckmäßigen Grundriß (Raum über Raum, Wand über Wand). Das Gebäude ist über den Eingang vom Hof her zu erreichen, der mit Betonsteinen ausgelegt werden soll und gleichzeitig als Parkplatz gedacht ist. Das alte Hauptgebäude und der Ersatzbau sind durch einen Zwischenbau verbunden, der in acht Wochen fertiggestellt sein wird. Der Zwischenbau verbindet das Erdgeschoß des vorderen Hauptgebäudes sowohl mit dem Erdgeschoß als auch mit dem ersten Obergeschoß des Neubaues. Im Keller des Zwischenbaues können die Kreisbediensteten ihre Fahrräder abstellen; von hier aus gelangen sie zu ihren Arbeitsplätzen. Für die Besucher ist ein Fahrradstand unter dem Vordach des Verbindungsbaues vorgesehen.“  

Bild vergrößern: Schlusszeichnung der Festschrift "Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes am 25. 5. 62"
Schlusszeichnung der Festschrift "Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes am 25. 5. 62"