Inhalt

Archivalie des Monats November 2022: Bihugas - Schon vor 75 Jahren war in Mengebostel-Allerhop die Nutzung erneuerbarer Energien ein Thema

Schon vor hundert Jahren wurde 1922 Biogas, das bei der Klärung von Abwässern entstand, von einigen Städten in das Gasnetz eingespeist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde versucht, auch aus Stallmist und Gülle ein energiereiches Gas zu entwickeln. Im Zuge dieser Bemühungen entstand 1947 in Mengebostel auf dem Gutshof Allerhop eine Versuchsanlage für die Herstellung eines sogenannten „Bihugases“. „Bihu“ ist die Abkürzung für biologischen Humus, der als ausgezeichneter Dünger ebenfalls bei der Gasproduktion anfiel. 

Schon vor hundert Jahren wurde 1922 Biogas, das bei der Klärung von Abwässern entstand, von einigen Städten in das Gasnetz eingespeist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde versucht, auch aus Stallmist und Gülle ein energiereiches Gas zu entwickeln. Im Zuge dieser Bemühungen entstand 1947 in Mengebostel auf dem Gutshof Allerhop eine Versuchsanlage für die Herstellung eines sogenannten „Bihugases“. „Bihu“ ist die Abkürzung für biologischen Humus, der als ausgezeichneter Dünger ebenfalls bei der Gasproduktion anfiel. 

In dem 1955 vom Gerhard Stalling-Verlag herausgebrachten Buch „Der Regierungsbezirk Lüneburg und seine Wirtschaft“ wird in einem ausführlichen Artikel geschildert, welchen Stand die von Ferdinand Schmidt auf dem Hof Allerhop aufgebaute Bihugas-Produktion erreicht hatte.

Bild vergrößern: Bihu-Gaswerk von Friedrich Schmidt in Mengebostel-Allerhop
Bihu-Gaswerk von Friedrich Schmidt in Mengebostel-Allerhop

Behäbig steht das alte Niedersachsenhaus im Schatten mächtiger Eichen. Die Wirtschaftsgebäude schließen sich an und bilden einen geräumigen Hof. Der Besitzer dieses 100 Hektar großen Heidehofes ist Herr Ferdinand Schmidt aus Verden (Aller), der bekannte Pionier auf verschiedenen Gebieten landwirtschaftlicher Technisierung, dessen Firma, Deutsche Futterkonservierungs-Gesellschaft (Defu), in den letzten Jahrzehnten über eine Million Kubikmeter Siloraum gebaut hat. Sein Arbeitsgebiet: Gärfutterfragen, neuzeitliche Stalldüngeraufbereitung, verlustlose Jauchewirtschäft, Fördergeräte und seit einigen Jahren landwirtschaftliche Faulgasanlagen.

In neuzeitlichen Eisenbeton-Gärfutterhochsilos mit Preßeinrichtungen wird bestes Gärfutter erzeugt. In dem Kuhstall sind moderne Kurzstände für Häckseleinstreu und Schwemmentmistung. Das Ausschwemmen des Stallmistes erfolgt durch unterirdisch verlegte Rohrleitungen. Das Stroh wird hinter der Dreschmaschine gehäckselt und durch unterirdische Rohrleitungen zu den Verbrauchsstellen geblasen. Futterhängebahn, Melkmaschine und viele andere arbeitssparende Einrichtungen sind vorhanden.

Die seit etwa sechs Jahren im Betrieb befindliche „Biologische Humus- und Gasanlage“ (Bihugas-Anlage) dient der Stallmist-Verflüssigung unter gleichzeitiger Gewinnung von methanhaltigem Faulgas. Verflüssigter Stalldünger, verlustfrei in dichten Betonbehältern gespeichert, ist etwa doppelt so nährstoffreich wie landläufiger Stallmist und außerdem sind die Pflanzennährstoffe darin viel höher ausnutzbar. Die Arbeitseinsparung durch das patentierte Bihugas-Verfahren ist sehr groß, etwa ein Sechstel der sonst erforderlichen großen Arbeitsaufwendungen reicht aus.

Mit dem in reichlicher Menge erzeugten heizkräftigen Bihugas wird in den Allerhoper Wirtschaftsküchen gekocht, Warmwasser bereitet, gebacken und geheizt. In komprimierter Form wird Bihugas zum Antrieb von zwei Diesel-Schleppern verwendet und zeigt sich hier als ausgezeichneter Treibstoff. Über einen mit Bihugas angetriebenen Generator ist die Erzeugung von elektrischem Strom möglich.

Die Arbeiten in Allerhop haben großes Interesse im In- und Ausland gefunden. Viele tausende Besucher kommen Jahr für Jahr nach Allerhop, um sich die interessanten Einrichtungen und Erfindungen anzusehen und vorführen zu lassen. Im Bundesgebiet steht schon ein Dutzend Bihugas-Anlagen der verschiedensten Baugrößen. Auch im Ausland baut Herr Schmidt steine Bihugas-Werke, die eine umwälzende Neuerung für landwirtschaftliche Betriebe sind. Auch andere faserige organische Abfälle, z. B. von Schlachthöfen, Pappefabriken, Brennereien können wirtschaftlich nach dem Bihugas-Verfahren verwertet werden. In den Tropen sind Bihugas-Anlagen von besonderem Interesse, weil dort große Massen an organischen Stoffen anfallen (Sisalabfälle usw.). Das Bihugas-Verfahren erschließt neue Energie-Quellen durch Ausnutzung von jährlich wieder nachwachsenden pflanzlichen Stoffen.

Aber offensichtlich war die Zeit noch nicht reif für solche Formen der alternativen Energiegewinnung. Die von Friedrich Schmidt zusammen mit dem Chemiker Dr. Walter Eggersglüß entwickelte Bihugas-Produktion konnte sich damals nicht durchsetzen. Aber seit 2003 gibt es in Mengebostel nicht weit von Allerhop entfernt im Ortsteil Obernhausen eine moderne Biogasanlage. Auch wenn die Gasgewinnung hier in etwas anderer Form erfolgt, letztlich zeigt sich, dass heute unverzichtbar ist, was die seinerzeit bahnbrechend moderne Bihugas-Produktion schon vor 75 Jahren praktiziert hatte: die Erzeugung von Energie aus Biomasse. Das gilt um so mehr in Zeiten, in denen Engpässe beim Bezug von herkömmlichen Gas ausgeglichen werden müssen.