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Archivalie des Monats Februar 2026: Die 150-jährige Geschichte des Katasteramts in Bad Fallingbostel

Zum 1. Januar 1876 wurde in Fallingbostel ein Katasteramt eingerichtet. Jetzt wird es mit dem Soltauer Katasteramt im dortigen Behördenhaus zusammengelegt. Deshalb liegt es nahe, einen Blick auf die 150-jährige Geschichte des Katasteramts in der Kreisstadt zu werfen.

Bild vergrößern: Oberer Teil der Titelseite des Amtsblatts 1875, 58. Stück.
Oberer Teil der Titelseite des Amtsblatts 1875, 58. Stück.

Im 58. Stück des Jahrgangs 1875 des „Amtsblatts für Hannover“ kündigte am 31. Dezember eine Bekanntmachung an: „Behufs Fortschreibung der Gebäudesteuer und der vom 1. Januar 1876 ab an Stelle der bisherigen hannoverschen Grundsteuer in Hebung tretenden neuen Grundsteuer sind die folgenden Katasterämter von demselben Zeitpunkte an gebildet.“

Bild vergrößern: Im Amtsblatt wurden alle zum 1. Januar 1876 gebildeten 38 Katasterämter aufgelistet.
Im Amtsblatt wurden alle zum 1. Januar 1876 gebildeten 38 Katasterämter aufgelistet.

Aufgelistet wurden für die sechs Landdrosteibezirke 38 Katasterämter mit Angabe des „Stationsortes“ und des „Kataster-Kontroleurs“. Im Landdrosteibezirk Lüneburg wurde für den Kreis Fallingbostel im Kreisort ein Katasteramt genannt, das vom „Katasterkontroleur“, dem Feldmesser Blaschke, geleitet wurde. Die „Königliche Finanz-Direction, Abtheilung für directe Steuern“ wies darauf hin, dass hier vom 1. Januar 1876 ab alle die Gebäudesteuer und die neue Grundsteuer betreffenden Anmeldungen anzubringen waren.

Wilhelm Westermann berichtet im 1949 erschienenen ersten Band seiner „Orts-Chronik von Fallingbostel“, dass zunächst kein eigenes Gebäude für das neue Amt vorhanden war. Es wurde deshalb in „Hambruchs Gasthof“ untergebracht, der sich direkt neben der Kirche befand (heute befindet sich hier das Geschäfts- und Wohnhaus Walsroder Straße 2). Genutzt wurden die Räume, die einst unter Fritz Hambruch auch Sparkassenräume gewesen waren, in denen er die Geschäfte als Kassierer wahrnahm.

Bild vergrößern: Hambruchs Gasthof (links) befand sich direkt neben der Kirche. Postkarte um 1910.
Hambruchs Gasthof (links) befand sich direkt neben der Kirche. Postkarte um 1910.

Ob diese Nähe von Geschäftsräumen des Katasteramtes und Gasträumen mit Ausschank von alkoholischen Getränken der Vorwand für die Walsroder war, sich um eine Verlegung des Katasteramtes zu bemühen, ist nicht bekannt. Die Walsroder versuchten aber seit dem Herbst 1896, das Katasteramt in ihre Mauern zu bekommen. Als im Mai 1897 mit diesem Anliegen erneut ein Walsroder Vorstoß erfolgte, reisten der Fallingbosteler Mühlenbesitzer Rubach und der Hofbesitzer Ohland zum Minister, von dem sie die Zusage erhielten, dass das Katasteramt in Fallingbostel bleiben sollte.

Voraussetzung für diese Entscheidung des Ministers dürfte aber das Engagement von Fritz Hambruch gewesen ein. Wilhelm Westermann ist jedenfalls der Auffassung, die Walsroder hätten ihr Ziel erreicht, „wenn nicht sofort eine geräumigere Unterbringung des Amtes in Fallingbostel beschafft werden konnte. In der Gemeindeverwaltung saßen wohl zuviel ängstliche Geister, die ratlos waren. Da sprang des biederen Fritz Hambruchs Sohn in die Bresche: Er ließ auf seine Kosten das Haus für das Kataster¬amt bauen (heute Heinrichsstraße 23). Ihm allein hat die Gemeinde es zu verdanken, daß das Amt hier blieb“. Neben den Geschäftsräumen befand sich in dem Gebäude auch die Dienstwohnung des Amtsleiters.

Bild vergrößern: Schätzer Grünhagen aus dem damals noch selbstständigen Westendorf bewertet 1907 die Immobilie.
Schätzer Grünhagen aus dem damals noch selbstständigen Westendorf bewertet 1907 die Immobilie.

Nach dem Tod des Erbauers ging das Haus 1907 käuflich in den Besitz der Gemeinde über. Der vereidigte Schätzer Grünhagen aus Westendorf bezifferte am 22. Februar 1907 den Wert des Wohnhauses auf 15.000 Mark, das Nebengebäude wurde auf 800 Mark veranschlagt. Beide Beträge berücksichtigten die infolge mangelhafter Instandsetzung eingetretene „Entwerthung“ von 8 % auf die Neubauwerte, die bei 16.250 Mark bzw. 900 Mark lagen. Im Kaufvertrag vom 27. September 1907 wurde dann sogar ein für die Gemeinde noch günstigerer Preis vereinbart:

Bild vergrößern: Kaufvertrag der Gemeinde Fallingbostel mit der Witwe Grünhagen aus dem Jahr 1907.
Kaufvertrag der Gemeinde Fallingbostel mit der Witwe Grünhagen aus dem Jahr 1907.

Witwe Hambruch verkauft am heutigen Tage, daß ihr zugehörige Haus No. 31 d. hier (Katasterhaus) an die Gemeinde Fallingbostel vertreten durch den Gemeindevorsteher Kruse und Kötner Prüser hier für den vereinbarten Preis von Mark 14 500. – geschrieben:
          Vierzehntausenfünfhundert Mark
(hypothekenfrei). In diesem Kaufpreis ist der an dem Hause liegender gesammte Garten einbegriffen (ausgeschlossen ein Birnbaum). Dieser Vertrag soll, vorbehaltlich der Zustimmung der Gemeindeversammlung, gültig sein.

Fallingbostel, den 27. September 1907.
Vorgelesen und unterschreiben

Der Gemeindevorsteher
Kruse                                 Ww Hambruch

Vorstehende Unterschrift der Witwe Hambruch wird hierdurch amtlich beglaubigt

Fallingbostel 27. September 1907
Kruse, Gemeindevorsteher

Bild vergrößern: Mietvertrag des Gemeinde mit dem Katasteramt, Stand Mai 1926.
Mietvertrag des Gemeinde mit dem Katasteramt, Stand Mai 1926.

Einzelheiten über die Konditionen der Vermietung an das Katasteramt sind den Unterlagen des Stadtarchivs erst 20 Jahre später zu entnehmen. Eine auf den 1. Mai 1926 datierte Fassung eines Mietvertrages sah vor, dass das gesamte der Gemeinde gehörige Grundstück mit Wohnhaus Nr. 181, Nebengebäude und Garten für jährlich 960 Mark vermietet werden sollte. Der Vertrag ist zwar unterschrieben, enthielt aber in Ziffer 6 die Einschränkung, dass er erst nach Genehmigung durch den Regierungs-Präsidenten in Lüneburg und den Gemeindeausschuss in Fallingbostel gültig werde.

Bild vergrößern: Mietvertrag der Gemeinde mit dem Katasteramt vom 10. Juli 1926.
Mietvertrag der Gemeinde mit dem Katasteramt vom 10. Juli 1926.

Diese Genehmigung scheint nicht erfolgt zu sein, denn die Abschrift eines auf den 10. Juli 1926 datierten Mietvertrags sieht nur die Vermietung von einzelnen Räumen an das Katasteramt für jährlich 560 Mark vor. In der Akte findet sich leider keine Zeichnung der Räumlichkeiten, die entsprechend des Mietvertrags mit Buchstaben versehen ist, eine undatierte aufschlussreiche Darstellung der Büroräume des Katasteramts ist aber beigefügt.

Bild vergrößern: Plan der Büroräume des Katasteramts.
Plan der Büroräume des Katasteramts.

Ein Jahr nach Abschluss dieses Mietvertrags wurde durch Umbau und Erweiterung des Gebäudes die Raumnot des umfangreicher gewordenen Katasteramts behoben.

Wie auch die auf dem Landratsamt beschäftigen Kräfte wohnten auch die Katasterbeamten in aller Regel in Fallingbostel. Daraus erwuchs eine besondere Identifikation mit dem Kreisort. Westermann betont in seiner „Orts-Chronik von Fallingbostel“:

Unter den Katasterbeamten sind immer einige gewesen, die sich besonders mit unserem Ort verbunden fühlten und für die Ausgestaltung seines Lebens und Treibens gewirkt haben. Da war vor dem ersten Weltkrieg der Katasterzeichner Konrad Ackermann, der im Gesangverein vieles zu dessen Hebung tat und auch sonst in der Gesangespflege rührig war. Auch in allgemeinen Gemeindeangelegenheiten war er fördernd tätig.

Bild vergrößern: Das Gebäude des Katasteramts in der Heinrichsstraße um 1940.
Das Gebäude des Katasteramts in der Heinrichsstraße um 1940.

Mit einer Anekdote, der er den Titel „Beiden fehlen die Worte“ gibt, untermauert Westermann in seiner Chronik Ackermanns Sangeslust:

Der Kirchenchor übt zur Verschönerung des Gottesdienstes in der Stillen Woche den Bachschen Choral „Wenn ich einmal soll scheiden.“ Konrad Ackermann, ein sicherer Chorsänger und bekannter Katasterinspektor kann wohl glockenrein seinen Tenor singen, aber den Text des Paul Gerhardtschen Liedes beherrscht er nicht und ruft nach einem Textbuch. Frau Pastor Kn. ist über solche Unkenntnis ganz entsetzt und bemerkt vorwurfsvoll: "Aber, Herr Ackermann, mir fehlen die Worte!" "Ja, erwidert K. A., das ist ’s ja, die fehlen mir gerade auch!‘"Dann geht das Üben in voller Harmonie weiter.

Bild vergrößern: Lehrer Wilhelm Westermann (1881-1974) veröffentlichte in zwei Bänden 1949 und 1952 seine "Orts-Chronik von Fallingbostel". Foto aus dem Jahr 1942.
Lehrer Wilhelm Westermann (1881-1974) veröffentlichte in zwei Bänden 1949 und 1952 seine "Orts-Chronik von Fallingbostel". Foto aus dem Jahr 1942.

Laut Westermann haben sich aber auch andere Mitarbeiter des Katasteramtes um Fallingbostel verdient gemacht. Dem tatkräftigen Bemühen des Vermessungsrates Meyer, der lange Zeit Vorsitzender des Verkehrsvereins war, verdankte die Gemeinde viel beim Bau des Lieth-Bades 1930, im Sportverein Preußen wirkte für mehr als ein Jahrzehnt der Finanzbeamte Karl Mohrmann als Vorsitzender und Katasterinspektor Reker erwies sich in seiner Position als Geschäftsführer des Verkehrsvereins als geschickter und schlagfertiger Förderer des Fremdenverkehrs.

1936 wurde ein Artikel des Fallingbosteler Katasteramtsbediensteten Karl Schwenger über den Pressedienst des Landesfremdenverkehrsverbandes Weserbergland-Niedersachsen verbreitet und von zahlreichen Zeitungen abgedruckt. Schwenger schrieb: „Wer in Fallingbostel wenige Wochen Ferienglück erlebte, der zehrt davon das ganze Jahr über, ganz gleich, ob er seinen Aufenthalt dort im Frühjahr, im Sommer oder im Herbst nahm.“ Doch der Versuch, die außerhalb der Heideblütenzeit vorhandenen Schönheiten Fallingbostels herauszustellen, fruchtete nur wenig. Hinweise auf das vom renommierten Berliner Tageblatt aufgrund seines „Gartenstadtcharakters“ als einer der „schönsten Orte der Lüneburger Heide“ bezeichneten Fallingbostel wurden fast ausnahmslos nur im August und September von den Zeitungen veröffentlicht.

Bild vergrößern: Ab 1937 befindet sich die Jugendherberge in dieser ehemaligen Villa.
Ab 1937 befindet sich die Jugendherberge in dieser ehemaligen Villa.

Im Haus des Katastertechnikers Wehrhahn befand sich seit 1933 die Jugendherberge. Ihm wurde von Westermann bescheinigt, sich als Herbergsleiter mit Verständnis und Eifer betätigt zu haben. Da die Räumlichkeiten, die er zur Verfügung stellen konnte, sehr beschränkt waren, wurde 1937 die Gelegenheit ergriffen, von der Kreisverwaltung ein geeignetes Haus in schöner Lage zu kaufen. Seitdem befindet sich die Jugendherberge in einem vom Berliner Geheimrat Broicher als Altersruhesitz gebauten villenartigen Haus, das sich damals noch in einem weitgehend unbebauten, nur von einem kleinen Tannenwäldchen bestandenen Bereich zwischen der Michelsen- und der Soltauer Straße befand.

Bild vergrößern: Das Luftbild aus dem Jahr 1972 zeigt das Katasteramt ganz links.
Das Luftbild aus dem Jahr 1972 zeigt das Katasteramt ganz links.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Raumsituation für das Katasteramt in der Heinrichsstraße 23 immer angespannter. 1986 wurden von der Behörde deshalb noch 100 Quadratmeter im Nachbargebäude hinzugemietet. Dies war aber nur ein Zwischenschritt, bis sich durch die Umgestaltung des Stadtkerns die Möglichkeit eröffnete, ausreichende Raumkapazitäten im neu errichteten Stadthaus anzumieten, in das unter anderem auch die Kreishandwerkerschaft einzog. Im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss standen dem Katasteramt hier 1300 Quadratmeter zur Verfügung. Mitte November 1988 konnte der Dienstbetrieb in der Vogteistraße aufgenommen werden.

Bild vergrößern: Das Luftbild aus dem Jahr 1975 zeigt das Katasteramt oben rechts.
Das Luftbild aus dem Jahr 1975 zeigt das Katasteramt oben rechts.

Vom Auszug des Katasteramts aus dem Gebäude Heinrichsstraße 23 profitierte die Stadtverwaltung, standen doch der Abriss des alten Rathauses und der Neubau an gleicher Stelle an. Anfang Juni 1990 zog die Verwaltung aus der Vogteistraße in das ehemalige Katasteramtsgebäude. Zur Vorbereitung wurde ein Plan der Diensträume des Katasteramts genutzt. Die Bauarbeiten gingen – begünstigt durch den milden Winter – zügig voran, so dass der Rathausneubau planmäßig am 15. November 1991 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Stadtdirektor Erhard Korner war sehr daran gelegen, dass mit Beginn der Kommunalwahlperiode 1991-1996 bereits die konstituierende Sitzung des neu gewählten Rates im neuen Ratssaaltrakt stattfinden konnte und der Stadtverwaltung endlich zeitgemäße, funktional gut durchdachte Räumlichkeiten im Verwaltungstrakt zur Verfügung standen. Das Gebäude Heinrichsstraße 23 benötigte die Stadt nun nicht mehr, so dass es später verkauft werden konnte.

Bild vergrößern: Das ehemalige Katasteramtsgebäude wurde 1990/91 von der Stadtverwaltung als Ausweichquartier während des Rathausneubaus genutzt.
Das ehemalige Katasteramtsgebäude wurde 1990/91 von der Stadtverwaltung als Ausweichquartier während des Rathausneubaus genutzt.

Das gute Verhältnis von Stadt und Katasteramt wurde 1993 zum Jubiläum „1000 Jahre Fallingbostel“ durch die Herausgabe einer Stadtkarte im Maßstab 1 : 7500 unterstrichen. So detailliert und mit vielen Informationen abgerundet war den Fallingbostelern und ihren Gästen zuvor noch nicht die Kreisstadt kartographisch präsentiert worden.

Für die Katasterämter bedeutete die Ende der 1990er Jahre begonnene Digitalisierung eine große Herausforderung, aber auch einen wichtigen Schritt hin zu besseren Dienstleistungen für Bürger und Behörden. Damit digitale Technik das Blaupausenzeitalter ersetzen konnte, mussten große Mengen von vorhandenen Unterlagen digitalisiert und entsprechend erschlossen werden. Nachdem dies geleistet war, können Geodaten problemlos aus elektronischen Systemen abgerufen und Nutzern zur Verfügung gestellt werden.

Diese Umstellung führte auch dazu, dass über Behördenstrukturen nachgedacht wurde. Unter geänderten Vorzeichen stellte sich die gleiche Frage, auf die im analogen Zeitalter die Fallingbosteler noch mit dem Bau von Räumlichkeiten für das Katasteramt reagieren konnten. Im digitalen Zeitalter war es dagegen weniger ausschlaggebend, wo eine Einrichtung angesiedelt war. 1994 war im Zuge der von der Landesregierung angestellten Überlegungen zu einer Verwaltungsreform schon einmal an eine Zusammenlegung der Katasterämter Fallingbostel und Soltau nachgedacht worden. Ein Jahr später wurde dann die Entscheidung zum Erhalt beider Katasterämter im Kreis getroffen. Die Leitungsebene wurde allerdings nach Soltau verlagert.

Bild vergrößern: Aus Anlass von Fallingbostels 1000-Jahr-Feier gab das Katasteramt 1993 eine äußerst detaillierte Stadtkarte heraus.
Aus Anlass von Fallingbostels 1000-Jahr-Feier gab das Katasteramt 1993 eine äußerst detaillierte Stadtkarte heraus.

Drei Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Da viele Voraussetzungen sich geändert haben, wird nun eine Neuordnung der Standorte in ganz Niedersachsen vollzogen. Damit einher geht die Auflösung des Katasteramts Fallingbostel und die Übernahme aller Aufgaben und Mitarbeiter durch das Katasteramt Soltau. In seiner Pressemitteilung vom 11. Dezember 2025 hat das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) erläutert, weshalb nach 150 Jahren das Aus für den Standort Fallingbostel kommt:

Katasteramt Fallingbostel schließt zum 1. Januar 2026 die Tür

Das Landeskabinett hat am 19. Mai 2025 eine neue Standortstruktur der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung beschlossen. Darin enthalten ist die Auflösung von 14 der 53 Katasterämter des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) und deren Zusammenlegung mit anderen Standorten.

Einer der betroffenen Standorte ist das Katasteramt in Fallingbostel in der Vogteistraße, es wird zum 1. Mai 2026 mit dem Katasteramt in Soltau im Behördenhaus in der Birkenstraße zusammengelegt. Beschlossen wurde jetzt, dass alle Anfragen und Auskünfte für Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Heidekreis bereits ab dem 1. Januar 2026 vom Katasteramt Soltau aus erledigt werden. Dank der Digitalisierung lassen sich alle bisher standortgebundenen Aufgaben in Soltau oder den anderen in der der Regionaldirektion Sulingen-Verden des LGLN verbleibenden Katasterämtern in Verden, Nienburg, Sulingen und Syke erledigen.

Die 13 bis dato noch am LGLN-Standort Fallingbostel beschäftigten Kolleginnen und Kollegen lösen den Standort in den nächsten Monaten auf und wechseln dann einvernehmlich an den Standort Soltau innerhalb der Regionaldirektion Sulingen-Verden des LGLN. Dort reichen die räumlichen Kapazitäten nach kleineren Umbauarbeiten jetzt aus, um die dann auf gut 30 angewachsene Anzahl an Beschäftigten komfortabel unterzubringen.

Im kommenden Jahr feiert das Katasteramt Fallingbostel noch seinen 150. Geburtstag. Eine Verordnung im Amtsblatt für Hannover regelte in der Provinz Hannover zum 1. Januar 1876 die Bildung von 24 Katasterämtern. Sie sollten die Fortführung der Katasterbücher und Katasterkarten als Grundlage für Steuererhebungen erledigen. Diese Ortsbehörden der Katasterverwaltung waren die ersten Dienststellen in Preußen, die die Bezeichnung „Ämter“ trugen. Staatshochbau- und Gewerbeaufsichtsämter beispielsweise wurden erst viel später eingerichtet. Das Katasteramt Fallingbostel startete in Hambruchs Gasthof (Heidekrug), heute Walsroder Straße 2, zog knapp 20 Jahre später in die Heinrichstraße 23 und residiert seit 1988 in der Vogteistraße 6. Mitte der 90er Jahre waren dort über 40 Personen beschäftigt, aber seitdem reduzierte sich - bedingt durch Automation und Digitalisierung - die Anzahl der Beschäftigten in den Katasterämtern kontinuierlich. Eine Zusammenlegung der Katasterämter Fallingbostel und Soltau war über Jahre immer wieder Thema, nun wird es Realität.

Die bestehen bleibenden Katasterämter der Regionaldirektion Sulingen-Verden des LGLN sind für alle Aufgaben personell ausreichend und damit zukunftssicher ausgestattet: Am Haupt- und Verwaltungssitz in Sulingen arbeiten über 50 Personen, alle anderen Standorte bieten rund 30 Mitarbeitenden inklusive Auszubildenden und dual Studierenden ein berufliches Zuhause. Die Standorte werden in ihren jeweiligen Regionen zu Kompetenzzentren für die gesetzlichen Daseins- und Versorgungsaufgaben des amtlichen Vermessungswesens. Die Katasterämter bieten unter anderem Vermessungsdienstleistungen an, also zum Beispiel Gebäudeeinmessungen, Grundstücksteilungen oder Grenzfeststellungen. Oder wenn jemand bauen möchte, erstellt das Katasteramt einen amtlichen Lageplan. Für Vermessungen und Lagepläne gibt es Anträge im Niedersächsischen Antragssystem für Verwaltungsleistungen Online (NAVO). Über den Dienst Katasterkarten-online können amtliche Kartenauszüge (z.B. für Kreditanträge, Bauvoranfragen, Immobilienkäufe, Ortspläne, …) bezogen werden. Aber auch für die weiteren Aufgaben der LGLN-Standorte, zum Beispiel die Wertermittlung für Immobilien, Durchführung von Bodenordnungsverfahren in Kommunen oder die Bereitstellung und Dienstleistungen rund um Geobasisdaten, sind die verbleibenden Standorte jetzt für die Zukunft bestens gerüstet.

Endgültig vorbei ist damit die Zeit, in der Arno Schmidt, der von 1945 bis 1951 auf dem Cordinger Mühlenhof lebte und zum Schriftsteller wurde, den Vermessungsrat a. D. Friedrich Stürenburg zum Mittelpunkt von acht Kurzgeschichten machen konnte. Stürenburg liebt es, seiner aus Hauptmann von Dieskau, Apotheker Dettmer, Frau Waring, der Witwe eines Schiffsarztes, ihrer Nichte Emmeline und Stürenburgs Faktotum Hagemann bestehenden Runde am Kamin leicht skurrile oder unheimliche Geschichten zu erzählen.

Bild vergrößern: 1990 brachte der Haffmanns-Verlag die Zusammenstellung "Stürenburg- und andere Geschichten von Arno Schmidt" heraus.
1990 brachte der Haffmanns-Verlag die Zusammenstellung "Stürenburg- und andere Geschichten von Arno Schmidt" heraus.

In Schmidts im Mai 1955 entstandener Geschichte „Das heulende Haus“ erinnert sich Stürenburg an seine praktischen Jahre als Topograph lange vor dem Ersten Weltkrieg. Einmal sollte er von Rotenburg aus in der entferntesten Ecke des Bezirks „unten bei Visselhövede“ einen Kollegen ablösen. Doch statt die Heimfahrt anzutreten, überredete der Kollege Stürenburg, gemeinsam mit dem Rad auf immer dunkler und schmaler werdenden Seitenwegen eine halbe Stunde bis kurz vor Stellichte zu fahren und bei einem einsamen, halb verfallenen Haus anzuhalten. Stürenburg erzählt dann:

„In einem Tannicht stellten wir die Räder ab; schlossen sie an; schnallten die Theodoliten vom Gepäckträger, und traten ein.“ Er atmete tiefer vom süßen Rauche, und sah sich verschlagen im Kreise um: „Wir sind ja alles Leute mit starken Nerven? –“ schlug er vor. Der Hauptmann ließ nur verächtlich sein EK Erster funkeln; Dettmer nickte, etwas zu eifrig; während die Damen bange und wortreich ihre Tapferkeit bestätigten.

„Selbst ich trat zunächst zurück“ brummte Stürenburg „denn auf den verdächtig leeren Dielenbrettern lag – ein Totenschädel!“ Da niemand Einwände erhob, fuhr er sogleich fort: „Mein Kollege bemerkte nur ‚Aha‘ oder dergleichen Unverbindliches und: ‚Da ist schon Jemand da‘. Über nur noch halb erhaltene und sich unangenehm durchbiegende Treppenstufen ging es bis unters Dach. Er klopfte diskret an eine Tür; lange – ich konnte damals noch nicht morsen, und verstand es nicht. Darauf rief es leise ‚Herein‘. Und in der lichtdicht verhangenen Bodenkammer saßen auf niedlichen Hockern zwei Männer: ein Landmesser, von der Konkurrenz Fallingbostel; und ein Herr in Lincolngrün, ein Forsteleve, wie wir uns vorstellten. Sie hatten zwischen sich ein Schachbrett und eine Flasche billigen Weines; den Wänden entlang waren schon zwei Deckenlager ausgerollt.

Man vereidigte auch mich kurz, unser Gespensterhaus niemals zu verraten; und ich besiegte dann erst einmal die beiden Schachspieler, einen nach dem anderen. Später auch simultan.“ Er blies die Backen wohlgefällig auf: „Da habe ich dann noch manchesmal billig übernachtet. Oft in Gesellschaft von Förstern, Vermessern und Landgendarmen. Der erste, der ankam, mußte immer die diversen Gebeine und Totenköpfe ‚legen‘ – zum Beispiel baumelte auch einer auf der Treppe, und hätte unwissenden Eindringlingen einen gräßlichen Kuß versetzt.“

01.02.2026