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Archivalie des Monats März 2026: Frühling will es wieder werden - Gedichte von August Freudenthal, Wilhelm Asche und Heinrich Eggersglüß

Frühling will es wieder werden – das hat schon viele Dichter inspiriert. Auch August Freudenthal und Wilhelm Asche, die in Fallingbostel geboren wurden, und der aus Untereinzigen gebürtige Heinrich Eggersglüß haben Frühlingsgedichte geschrieben. Eine Auswahl soll vorgestellt werden, ergänzt durch Frühlingsfotos, die in den 1950/60er Jahren von der Fallingbosteler Kurverwaltung in der „Kurzeitung“ veröffentlicht wurden.

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August Freudenthal (1851-1898)

August Freudenthal wurde am 2. September 1851 in Fallingbostel geboren. Zwei Jahre zuvor war schon sein Bruder Friedrich zur Welt gekommen. Als er zehn Jahre alt war, siedelte die Familie nach Fintel über, wo Friedrich bereits seit seinem dritten Lebensjahr bei den Großeltern lebte. August Freudenthal sollte Lehrer werden, doch er brach aus dem vorgezeichneten Lebensweg aus. Seit 1875 arbeitete er als Journalist in Bremen. Er veröffentlichte zunächst Gedichte und Schauspiele, dann traten immer mehr die „Heidefahrten“ in den Vordergrund. In ihnen beschrieb er die Ausflüge, die er mit Bremer Freunden in die damals noch kaum als touristisches Ziel gewürdigte Heide unternahm. Seine landschaftlichen Schilderungen und kulturgeschichtlichen Darstellungen trugen noch vor Hermann Löns dazu bei, diese Landschaft populär zu machen. Zunächst erschienen seine Berichte in den „Bremer Nachrichten“, dann gesammelt als „Heidefahrten“ in vier Bänden. Große Bedeutung erlangte die Zeitschrift „Niedersachsen“, die er 1895 mit seinem Bruder Friedrich gründete. August Freudenthal starb am 6. August 1898. Sein Grab auf dem Riensberger Friedhof in Bremen befindet sich bis heute in der Obhut des Bremer Senats.

Frühlingsankunft

Die Erde zog ihr Brautgewand
Hervor aus schwarzem Schrein;
Nun sprossen weithin über's Land
Viel tausend Blümelein.

Es kommt mit Pauken und Schalmein
Ein Jüngling durch die Au,
Ihn grüßt der goldne Sonnenschein
Ihm lacht die Blum' im Thau.

Der Winter, alt und kalt und grau,
Verläßt in Hast das Land.
Die Erde, seine junge Frau,
Reicht froh dem Lenz die Hand!

     August Freudenthal

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Das erste Grün im Walde (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel


Zur Blütezeit

Ein weites Land, ein ebenes Land
Ist meine heimische Heide,
Der fernanstrebende Hügelrand
Ist die einzige Falte im Kleide.

Kein schroffer Fels steigt zum Himmel empor
Und zwingt zu bewunderndem Staunen;
Kein Gießbach schäumt aus Schluchten hervor,
Waldmärchen ins Ohr dir zu raunen.

Und doch, wenn im Osten der Morgen graut
Und strahlend sich rötet der Himmel,
Wie webt es heimlich im Heidekraut,
Wie regt sichs in frohem Gewimmel!

Und streift erst der Sonne goldiger Strahl
Der tauigen Erika Glocken,
Schau, wie er hervor mit einemmal
Weiß Lust und Leben zu locken.

Schlaftrunken taumelnd im Blütentau
Die Bienen und Käfer sich recken;
Es flattern die Falter rot und blau
Hervor aus den Schlummerverstecken.

Eidechslein schlüpfen durchs blühende Kraut
In goldig blitzendem Kleide,
Und rings in den Lüften werden sie laut,
Die fröhlichen Sänger der Heide.

Ein rosiges Meer von Blütenduft,
Ein emsiges Leben und Weben,
Und Vogelgezwitscher aus blauer Luft –
Was könnt es wohl Schöneres geben!

     August Freudenthal 

  

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Heinrich Eggersglüß (1875-1932)


Heinrich Eggersglüß wurde am 10. März 1875 in Untereinzingen geboren. Nach dem Schulbesuch in Obereinzingen und Dorfmark war er zunächst Knecht in Einzingen, leistete dann seine Militärzeit in Hildesheim ab und fing 1898 bei der Eisenbahn an. Zwei Jahre später gründete er eine Familie. 1922 wurde er nach Braunschweig versetzt, wo er am 6. Juli 1932 starb. Sein Grab befindet sich heute noch auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof. Zwischen 1908 und 1927 veröffentlichte Eggersglüß sieben Gedichtbände, zwei Dramen, den Roman „Kämerhöfen“ und das autobiographisch geprägte „Tagebuch eines Eisenbahners“.

Lenzgruß

Ein Lebenshauch durchdrang die Erde
Nach langer, kalter Winternach;
Und durch des Schöpfers Wort: „Es werde!“
Ist alles wie vom Schlaf erwacht.

Noch mag das Leben sich nicht zeigen
In seiner Pracht so wunderbar,
Doch bald bricht es aus allen Zweigen
Und bietet uns den Frühling dar.

Schon melden uns die Frühlingsboten,
Die ersten, die er ausgesandt:
„Der Frühling ist nicht bei den Toten,
Bald zieht er siegreich durch das Land!

Bald wird er Gärten, Fluren zieren
Mit schönen Blumen, duft’gem Grün;
Bald wird er herrlich triumphieren,
Und alles, alles wird erblühn! –

Und neue Hoffnung wird er bringen,
So manches, was das Herz erfreut!“ –
Drum laßt auch uns frohlockend singen:
„Willkommen, schöne Frühlingszeit!“

     Heinrich Eggersglüß

Bild vergrößern: Frühling im Böhmetal (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel
Frühling im Böhmetal (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel


Frühlingsauferstehen

Schön ist es, an Frühlingstagen
Nach dem Wanderstab zu greifen
Und, von Frohsinn leicht getragen,
Durch die weite Welt zu streifen.

Überall winkt reges Leben,
Überall erwacht es wieder,
Überall ein Blühen, Streben,
Blumenduft und Frühlingslieder.

Freudvoll hört man es erklingen,
Daß nach langen trüben Tagen
Und verzweiflungsvollem Ringen
Lenz den Winter abgeschlagen;

Daß als großer Überwinder
Er zog jubelnd durch die Länder,
Daß er schmückte seine Kinder
Mit den schönsten der Gewänder!

Drum hinaus, um neu zu sehen,
Wie die große, schöne Erde
Feiert nun ihr Auferstehen
Durch des Schöpfers Wort: „Es werde!“

Froh hinaus, ihr Menschenkinder,
Die so lange ihr getrauert,
Die ihr von dem strengen Winter
Völlig waret eingemauert.

Um zu sehen, wie sich schmücken
Wiesen, Auen, weite Wälder;
Wie den Säemann beglücken
Schöne Gärten, grüne Felder.

Um die Vöglein zu belauschen,
Wie sie früh im Morgengrauen
Liebevolle Küsse tauschen
Und sich froh ihr Nestlein bauen! –

Ihr hellen, süßen Wiesen
Werden euch beglückend sagen:
Stimmet ein, den Herrn zu preisen,
Laßt daheim nun alle Klagen!

     Heinrich Eggersglüß

Bild vergrößern: Gang im Frühling (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel
Gang im Frühling (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel


Zur schönen Frühlingszeit

Wie herrlich ist die weite Welt
Zur schönen Frühlingszeit!
Es lächelt Wiese, Wald und Feld
In prächtigem Geschmeid;
Hell klingt das Lied der Vögelein
In Gottes schöne Welt hinein;
Das Herz wird einem groß und weit
Zur schönen Frühlingszeit!

Schneeglöckchen ist schon längst erwacht,
Hat reizend uns entzückt;
Maiblümchen in bescheid’ner Tracht
Zum Frühlingshimmel blickt;
Es durfte süße auf grüner Au
Das kleine Veilchen dunkelblau;
Am Bach das blaue Blümchen spricht:
Wach auf: Vergißmeinnicht!

Marienblümchen ohne Zahl,
Sie lächeln still und rein;
Die bunten Blumen allzumal
Sie stellen treu sich ein.
Es prangt der Wald in frischem Grün
Und Weiden, Sträucher, Bäume blühn.
Ja, herrlich ist im Feierkleid
Natur zur Frühlingszeit!

Wie flinke Schwalbe und der Star,
Sie kehrten uns zurück,
Frau Nachtigall singt wunderbar
Ihr Lied von süßem Glück;
Die Lerche trillert in der Luft,
Die Drossel pfeift im Waldesduft,
Und alles ringsum weit und breit
Freut sich der Frühlingszeit!

Drum eil‘ hinaus, o Menschenherz,
Zu schauen diese Pracht,
Verbanne Leid und Seelenschmerz,
Vergiß des Winters Nacht!
Und stimme in den Jubel ein,
In den Gesang der Vögelein! –
Und alles Leid wird dir vergehn,
Dein Glück am Wege stehn.

     Heinrich Eggersglüß 

   

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Wilhelm Asche (1882-1955)


Wilhelm Asche wurde am 29. August 1882 in Fallingbostel geboren. Mit seinem Bruder August übernahm er nach dem Tod des Vaters die 1876 gegründete Landesproduktengroßhandlung Asche. Während sich sein Bruder um die kaufmännischen Belange kümmerte, befasste Wilhelm sich mit der Saatzucht. Sie wurde in Tietlingen betrieben und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Gut Hohenborn in Pommern. Wilhelm Asche betätigte sich als Komponist und Schriftsteller, dessen Werke sich mit der Heidelandschaft und ihren Bewohnern befassen. Als Zeichen seiner Verehrung von Hermann Löns stellte er den Tietlinger Wacholderhain 1929 zunächst für ein Denkmal und dann 1935 für die letzte Ruhestätte des Heidedichters zur Verfügung. Wilhelm Asche starb am 11. Juni 1955 in Tietlingen. Sein Grab befindet sich auf dem Hilligenberg im Tietlinger Wacholderhain unweit des Löns-Grabes.


An den Frühling

Du hast das Herz getroffen –
Es geht ein selig‘ Hoffen
Durch Gärten, Wald und Flur.
Es lacht aus Himmelsblauen
Die schönste aller Frauen,
Die Frühlingsgöttin der Natur.

Die Blume steigt zum Lichte,
Neu grünt die alte Fichte,
Die ersten Sträucher blüh’n.
Die Tierwelt schwelgt in Wonne,
Hell strahl die Frühlingssonne,
Und alle Erdensorgen flieh’n.

So kommt alljahr ein Maien,
An dem wir uns erfreuen,
Der uns so selig macht.
Doch nur ein Mai im Leben
Ist dir, o Mensch, gegeben,
Ein Sommer nur, ein Herbst
Und eine Winternacht!

     Wilhelm Asche

Bild vergrößern: Im Frühlling (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel
Im Frühlling (c) Stadtarchiv Bad Fallingbostel


Frühling

Ueber Nacht, ganz still und leise,
Kam der holde Lenz gegangen,
Als der Bach befreit vom Eise,
Und die ersten Knospen sprangen.

Wo vereinte Kräfte walten,
Muß der Sieg der deine werden.
Und nun wirst du Einzug halten
Wieder auf der schönen Erden.

Lieblich lächelst du hernieder
Aus des Himmels lichten Höhen,
Alles singt und jauchzt nun wieder,
Alles wird nun auferstehen!

Wie mit einem heil’gen Scheine
Ist dein Frühlingslicht umgeben.
Du nur bringt den Mai alleine
Und mit ihm das neue Leben.

Holder Lenz, in deinem Reiche
Walten gottgewollte Triebe.
Reich und arm schenkst du das gleiche,
Und dein Wirken ist nur Liebe.

     Wilhelm Asche

Bild vergrößern: Wilhelm Asche hat sein Gedicht "Frühlingshoffen" für Gesang und Klavier selbst vertont.
Wilhelm Asche hat sein Gedicht "Frühlingshoffen" für Gesang und Klavier selbst vertont.


Frühlingshoffen

Wenn Liebe, Nachtigall und Rose
im Bunde mit dem Lenze stehen,
entquillt dem heil’gen Erdenschoße
ein Glück als könnt‘ es nie vergehn.

Dann liegt um Wald und Flur ein Raunen,
man weiß selbst kaum, wie es geschieht.
Still lauscht der Wand’rer voll Erstaunen
Wenn er auf Frühlingspfaden zieht.

Dann schlägt das Herze wieder schnelle,
Der Vogel singt sein trautes Lied.
Es murmelt hell die Silberquelle
Und jedes Sträußchen grünt und blüht.

Dann wird die weiße Birke grünen,
goldleuchtend hell der Ginster stehn
und um den Heidesand der Dünen
wird Frühlingsglanz und Frieden wehn.

     Wilhelm Asche

01.03.2026