Archivalie des Monats April 2026: Vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der Fallingbosteler Kurzeitung
Nachdem die von den britischen Besatzungsbehörden nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten Pensionen und Hotels freigegeben worden waren, konnte Fallingbostel wieder Gäste beherbergen. Der Fremdenverkehr sollte jetzt auf eine breitere Basis gestellt werden und sich nicht nur hauptsächlich auf die Heideblüten-Saison konzentrieren. Deshalb wurden 1951 der Kneippverein gegründet und mit der Eröffnung des Sanatoriums Schriebers Hof am 15. März 1952 der Kneippkurbetrieb eröffnet. Weitere Sanatorien kamen in den nächsten Jahren hinzu – und wie es sich für einen Kurort gehörte, wurde auch eine Kurzeitung herausgegeben. Die erste Ausgabe erschien vor 70 Jahren im April 1956.
Das offizielle Programm der Stadt Fallingbostel wurde von der Städtischen Kurverwaltung veröffentlicht. Was die Monatshefte leisten sollten, wurde gleich zu Beginn der ersten Ausgabe ausführlich erläutert:
Fallingbostel - im April 1956
Unter diesem auf den jeweiligen Monat abgestimmten Namen soll das vorliegende Heft allen Gästen und Freunden von Fallingbostel allmonatlich ein kleiner Ratgeber für die Gestaltung Ihrer Urlaubstage sein. Darüber hinaus soll es jedem Leser die Eigenart unserer Stadt und der Heidmark nahebringen. Neben dem Kurprogramm bringt das Heft Ihnen allgemein verständlich gehaltene Erklärungen über die Tier- und Pflanzenwelt der Heide. Weiter werden die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt und der Heidmark sowohl in ihrer jetzigen Bedeutung als auch in ihrer geschichtlichen Entwicklung beschrieben werden.
Natürlich werden wir Ihnen keine wissenschaftlichen Abhandlungen zumuten; vielmehr will unsere Kurzeitung Ihnen ein Gesprächspartner sein und Ihnen viele Fragen, die Sie während eines Urlaubs in Fallingbostel ganz bestimmt stellen werden, in kurzen Worten beantworten. Sollte eine Antwort Sie nicht befriedigen, oder sind Sie aus wichtigen Gründen anderer Meinung, so steht Ihnen natürlich unsere Kurzeitung auch für den Ausdruck Ihrer Ansicht zur Verfügung. Ein kurzer Brief an die Kurverwaltung oder ein persönlicher Besuch werden in diesem Falle bestimmt eine Klärung herbeiführen.
Unsere Kurzeitung will Ihnen also ein treuer Freund werden. Jeder Freund legt aber Wert darauf, zu hören, wie man ihn beurteilt. Ebenso geht es auch unserer Kurzeitung. Bitte, üben Sie offen Kritik, wobei Kritik ja nicht nur ein negatives Urteil bedeutet. Daß das erste Heft unserer Kurzeitung gerade zum April erscheint, ist keineswegs ein Zufall. Vielmehr will es Ihnen recht frohe Ostergrüße übermitteln und Ihnen sagen, daß die Heide zu jeder Jahreszeit schön ist, daß sich also auch ein Osterbesuch in der Heide durchaus lohnt.
Uns bleibt die Hoffnung, daß „F a l l i n g b o s t e l“ Ihnen allmonatlich helfen wird, Ihre wenigen Ferientage zu einem frohen Erlebnis zu gestalten. Unsere ganz besonderen Grüße entbieten wir allen Gästen, die wir bereits im Laufe dieses Monats in unserer Stadt begrüßen können. Einbezogen sind in diese Grüße die Mitarbeiter des Hauses „Telefunken“, für deren Arbeitstagungen unsere Stadt in diesem Jahre als Gastgeber auftreten darf. Mögen diese Tage trotz angespannter Arbeit recht erlebnisreich werden und Ihnen stets eine freudige Erinnerung bleiben.
Ihre
STÄDTISCHE KURVERWALTUNG
Die ganze Erstausgabe von FALLINGBOSTEL kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
- PDF-Datei: 13.2 MB
In der ersten Ausgabe von FALLINGBOSTEL finden sich auf 24 Seiten Aufsätze über „Erholung und Kneippkur in Fallingbostel“ vom ortsansässigen Kneipp-Badearzt Dr. Wolfgang Stage, es wurde das Thema „Frühjahrsmüdigkeit – Vitaminmangel“ angesprochen und auf „Bohnenkaffee – Genuß und Arzneimittel“ eingegangen. Aber auch touristische Aspekte wurden berücksichtigt. „Unser Wandervorschlag“ beschrieb „Das Hermann-Löns-Grab“ und auch „Der ‚Hof der Heidmark‘“ wurde vorgestellt. Wie in der Einleitung zum Heft angekündigt, gab es die Rubrik „Kleine Tierkunde“, in der „Die Heidschnucken“ vorgestellt wurden. In späteren Heften finden sich auch Gedichte und Erzählungen u. a. von den Brüdern Freudenthal, Hermann Löns und Hans Stuhlmacher. Damit Urlauber und Kurgäste sich nicht langweilten, wurde auf das immerhin 16 Veranstaltungen umfassende „Kurprogramm“ hingewiesen und eine Übersicht über die Filme der „Fallingbosteler Lichtspiele“, die im Saalanbau des „Hotels zum Böhmetal“ liefen, veröffentlicht. „Unsere Rätselecke“ durfte genau so wenig fehlen wie ein „Fahrplanauszug der Deutschen Bundesbahn“ und ein Hinweis auf die „Bahnbusverbindung“. In der Mitte des Heftes bot ein Stadtplan Orientierung und natürlich waren auch viele Anzeigen geschaltet worden. Die Kneippsanatorien und -Kurheime, die Hotels, Cafés und Gasthäuser, die örtlichen Geschäfte sowie Kreissparkasse und Volksbank nutzten die Gelegenheit, Gäste und Einheimische auf sich aufmerksam zu machen.
Im Laufe der Zeit verdoppelte sich der Umfang. Das Heft „Fallingbostel – im August 1959“ war einschließlich Umschlag 48 Seiten stark. Hier wurde auch ein interessanter Beitrag abgedruckt, der „Etwas über unsere Kurzeitung FALLINGBOSTEL“ berichtete:
Etwas über unsere Kurzeitung FALLINGBOSTEL
Es ist nicht so ganz einfach, einen jeden Monat, jahraus-jahrein eine Kurzeitung im Umfange unserer Kurzeitung FALLINGBOSTEL fertigzustellen! Denn sie soll einmal wirtschaftlich tragbar sein, d. h. sie darf kein Geld kosten – und doch kostet die Herstellung nur einer einzigen 40-Seiten-Ausgabe, wenn sie einigermaßen gut bebildert sein soll, fast 1500,- DM.! Andererseits bekommen alle Kur- und Sommergäste bei ihrem Eintreffen in Fallingbostel die Kurzeitung kostenlos ausgehändigt, außerdem wird sie ja seit über einem Jahr ebenfalls kostenlos zu Beginn jeden Monats jedem Fallingbosteler Haushalt ins Haus geschickt!
Wir sind uns bewußt, daß wir unseren Lesern gegenüber – und ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr – auch eine Verpflichtung haben, eben die Kurzeitung immer wieder aktuell zu gestalten. Da das Thema FALLINGBOSTEL sich doch einmal erschöpfen muß, sind wir seit einiger Zeit dazu übergegangen, auch außerhalb des Kreises und der Kreisstadt zu gehen und haben Beiträge aus Lüneburg, Celle, Verden usw. gebracht. Daß wir damit auf dem richtigen Wege sind, beweist uns die laufende Zustimmung unserer Leser. So werden wir – voraussichtlich das Septemberheft – zu einer „Hamburger Ausgabe“ gestalten, verbindet doch unseren Kurort durch die große Zahl der Gäste, die aus dem Raume Groß-Hamburg zu uns kommen und hier Erholung suchen und finden, eine herzliche Freundschaft zu der nahen Riesenstadt. Besonders der große Hamburger Kneipp-Verein mit seinen weit über 2000 Mitgliedern bringt uns eine treue Kneipp-Gäste-Schar in jedem Jahr.
Es sei aber auch an dieser Stelle einmal ganz besonders unseren treuen Inserenten gedankt, denn sie allein ermöglichen uns schließlich durch ihre Treue überhaupt Bestand und Ausgabe unserer Kurzeitung FALLINGBOSTEL.
Bis 1973 erschienenen die FALLINGBOSTEL-Hefte im DIN A 5-Format, dann wurde auf ein quadratisches Format umgestellt und als Titel „Kurzeitung“ gewählt.
Ab 1987 erschien die „Kurzeitung“ dann im Format DIN A 4.
Die doch etwas angestaubte Aufmachung wurde fünf Jahre später mit dem Februar-Heft 1992 von einem zeitgemäßen Layout abgelöst. Das Format DIN A 4 wurde beibehalten. Im Vergleich zur Ausgabe 1956 war der redaktionelle Teil nun auf ein Minimum geschrumpft. Anzeigen und Übersichten bestimmten jetzt das Erscheinungsbild.
Angesichts dieser Entwicklung war es durchaus naheliegend, mit der Ausgabe vom April 1997 von der „Kurzeitung“ Abschied zu nehmen und fortan für Gäste und Bürger von Fallingbostel, Dorfmark und Umgebung im Format 10,5 x 20,5 cm „Fallingbostel aktuell“ herauszugeben. Das Heft vereinte Veranstaltungskalender, Kur-Zeitung und Stadtwerke-Infos.
Dies war nur ein Zwischenschritt, bis von Januar 1999 an dann ein gemeinsamer „Veranstaltungskalender“ für die Vogelpark-Region Walsrode, Fallingbostel, Bomlitz, Dorfmark und Düshorn herausgegeben wurde, in dem man den Vorläufer des heutigen „Findlings“ sehen kann.