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Datum: 31.08.2026

Archivalie des Monats September 2026: Die 1892 gegründete »Fallingbosteler Hausmusik«

Hugo Egon Balder, Fritz Ahrens und Bernd Kühl nehmen als „The Bad Falling Bostels“ in Anspruch, „the first beat apostels“ zu sein, die „invented the beat and all the world went mad“. Auch wenn die „Fallingbosteler Hausmusik“ lange vor der Zeit wirkte, in der die ersten Beat-Apostel den Beat erfanden und die ganze Welt danach verrückt machten, lohnt es sich, einen Blick auf diese Musiker zu werfen.

In dem 1949 erschienenen ersten Band seiner „Orts-Chronik von Fallingbostel“ geht Wilhelm Westermann auch auf die Geschichte der „Fallingbosteler Hausmusik“ ein, die zu dieser Zeit selbst schon zur Vergangenheit geworden war. Deren Ursprünge reichen in eine Epoche zurück, in der der 1877 von Thomas Alva Edison erfundene Phonograph und Emil Berliners Grammophon aus dem Jahr 1887 noch die einzige Möglichkeit darstellten, Stimmen und Töne aufzuzeichnen. Die erforderlichen Abspielgeräte konnten sich um 1900 nur begüterte Haushalte leisten. Musik war vielfach nur „handgemacht“ denkbar. Dabei wurde keineswegs nur Unterhaltungsmusik gepflegt, sondern Pianospielende und kleine Ensembles wagten sich auch an schwierigere Stücke der sogenannten ernsten Musik. Zu letzteren gehörte die „Fallingbosteler Hausmusik“, an die Wilhelm Westermann erinnerte. Er schrieb:

Die Fallingbosteler Hausmusik

In der Reihe der Veranstaltungen von Festlichkeiten in unserem Ort verdienen diejenigen der Hausmusik sowie diese selbst eine besondere Note. Die Musizierenden, die sich hier zur Hausmusik vereinigten, waren nicht schlechthin lobenswerte Dorfmusikanten von Fach und Beruf, sondern Musikfreunde, deren Können und Verstehen im Klavier-, Geigen- und Cellospiel und dem Spiel anderer Instrumente weit über dem Durchschnitt stand, deren Darbietungen Maßstäbe ernstlicher Kritik erforderte. Wenn hier über die Hausmusik in der Form der Vergangenheit von „es war einmal" berichtet wird, so bezieht sich das Gesagte auf die Zeit, in der diese Vereinigung von Musikfreunden besonders hervortrat, in der sie einmal im Jahr zu ihrem Konzert mit nachfolgendem Tanz in Schlimms Saal einlud und dabei immer ein volles Haus hatte. Das war in den geräuschlosen Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Je lauter dann Lärm, Hast und Aufregungen die Zeit vom ersten bis zum zweiten Weltkrieg erfüllten, desto stiller wurde es um die Hausmusik, allerdings trugen auch Krankheit und Tod in den Reihen der Musizierenden dazu bei. Die Öffentlichkeit weiß wenig von der einstigen Hausmusik. Und doch ist sie noch immer das, was ihr Name sagt, im Hause des Bäckermeisters und Gastwirts Fr. Köning geblieben. Hier wird sie in Tradition weiter gepflegt.

Bild vergrößern: Fallingbosteler Hausmusik 1907: B. Lenz, Leiter, Geige; an der Seite W. Schlimm, Geige; Fräulein Hönnecke, Klavier; Fr. Köning, Cello, und P. Braune, Bratsche.
Fallingbosteler Hausmusik 1907: B. Lenz, Leiter, Geige; an der Seite W. Schlimm, Geige; Fräulein Hönnecke, Klavier; Fr. Köning, Cello, und P. Braune, Bratsche.

Die Anfänge der Fallingbosteler Hausmusik reichen in das Jahr 1892 zurück. Damals vereinigten sich Fr. Köning und Rud. Bornemann zu gemeinsamen Musikabenden mit Zither und Geige. Als dann bald W. Schlimm und Lehrer Schultz, Oerbke, dazu kamen, waren die vier imstande, nicht nur unter sich im häuslichen Kreise tüchtig zu musizieren, sondern auch bei passender Gelegenheit zum Tanz aufzuspielen. Im Jahre 1900 trat Lehrer i.R. B. Lenz in den Kreis der Hausmusikanten. Er übernahm dann die Leitung an geregelten Übungsabenden. Bald spielten auch Fräulein Hönnecke und Paul Braune mit. So war ein kleines Orchester zusammen, das jetzt wöchentlich seine Übungsabende bei Konings oder Schlimms abhielt. Und bald ließen sich diese Musikanten in Konzerten hören, die immer gut besucht waren. Die Überschüsse, die an Einnahmen bei diesen Veranstaltungen erzielt wurden, wurden der Kirche für Anschaffungen gespendet. Kronleuchter, Altardecken und Teppich sind so durch diese Mittel beschafft worden. Auch zu mancher Feiergestaltung hat die Hausmusik beigetragen. In Ferientagen wurde das kleine Orchester oftmals durch die Hamburger Lehrerfamilie Holm verstärkt. Nach dem Weltkrieg kamen der junge Braune, H. Reker und Bahnhofsvorsteher Klopfleisch noch hinzu. Mit dem Tode von Lenz und der Krankheit anderer Mitspieler bzw. der Mitspielerin lockerte sich leider der Zusammenhang. Aber auch die Zeitverhältnisse mit ihren wirtschaftlichen Nöten und nachher mit ihren großen politischen Aufgaben, gestatteten wenig Zeit und Muße, die nun einmal diese holde Kunst verlangt. Die Hausmusik ist in Fallingbostel in hervorragendem Maße schöne Tradition, an der trotz Schallplatte, Rundfunk, Lichtspiel und Theater festgehalten werden muß.